Hausärztliche Praxis

 Dr. med.  Harald Rothe

Praxispolitik

 

Nach rascher Einarbeitungsphase und sehr guter Annahme unserer Praxisabläufe und Dienstleistungen, übernahm ich im April 2006 die Aufgabe des örtlichen Notdienstbeauftragten für die Feiertags- und Wochenendnotdienstausarbeitung und -gestaltung. Hierfür wurden 2 mal jährlich sogenannte Notdienstkonferenzen anberaumt, in denen die niedergelassenen Kollegen in und um Laupheim ihre Notdienste anmelden konnten. Seit 1. November 2013 wird der hausärztliche Notdienst nunmehr über die Kassenärztliche Vereinigung organisiert. Für uns Ärzte hieß das, dass unsere Dienste von allen niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Kreis Biberach kreisweit zu bewältigen sind. Hierfür wurden eine Notdienstpraxis am Biberacher Krankenhaus und 2 Fahrdienste ins Leben gerufen, an die sich jeder Hilfesuchende über eine einheitliche Notdienstrufnummer - 116117 - wenden kann.

Im Zuge der Entwicklung und Einführung der sogenannten Hausarztverträge übernahm unsere Praxis seit 2008 die Gründung und Moderation des "Hausärztlichen Qualitätszirkels Laupheim". Die Treffen, zu denen alle Kollegen herzlich eingeladen waren, fanden 4 mal jährlich statt und waren durch die Landesärztekammer zertifiziert worden. Mit dem Ziel, die Kollegenschaft enger aneinander zu binden, organisierte ich 2 mal jährlich Ausflüge vor medizinischem Hintergrund zur Ortsbesichtigung und gleichzeitig organisierten Fachvorträgen. In diesem Zusammenhang besuchte die Laupheimer Ärzteschaft u.a. die Firmen Uhlmann und Rentschler in Laupheim, die neurologische Klinik in Dietenbronn, die Strahlenklinik in Biberach, die kardiologische Klinik Härer in Söflingen, das Unternehmen Ratiopharm in Ulm und zuletzt die Boehringer Ingelheimwerke in Biberach.

Leider zerbrach dieses Miteinander Ende 2013 an den Halsstarrigkeiten der Vertreter und Initiatoren der hausarztzentrierten Versorgung - Hausärzteverband, Medi-Verband und AOK-Baden-Württemberg - die eine stringente Umsetzung ihrer politisch und vor allem ökonomisch gefärbten Fortbildungsinhalte umgesetzt wissen wollten. Dem konnte ich aus medizinisch-ethischen und moralischen Gesichtspunkten nicht mehr folgen, geschweige denn meine Moderatorentätigkeit daran ausrichten. Seit 2014 wird der sogenannte "AQUA-Zirkel" - Qualität steht nicht mehr im Titel - von einem konformeren Laupheimer Hausarztkollegen organisiert. Die Teilnahme an diesen inhaltsschwachen Zwangsfortbildungen wird vorgeschrieben und bei Nichterfüllung mit Sanktionen belegt. Leider ließen sich die Befürworter der hausarztzentrierten Versorgung nicht davon überzeugen, dass es sinnvoller sei, sich moderneren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu widmen, als pekuniären Gesichtspunkten zu folgen. Ich persönlich kann mich für diese monetäre Haltung zahlreicher Kolleginnen und Kollegen nur schämen.

Nichts desto weniger bin ich der Meinung, dass es irgendwie weitergehen muss. Für meine Praxis gilt deshalb, dass alle Patienten, unabhängig ihres Versicherungsstatus gleich behandelt werden. Eine 3-Klassen-Medizin, wie sie von zahlreichen, an der hausarztzentrierten Versorgung teilnehmenden Ärzten auf Empfehlung einiger Verbandsfürsten propagiert und umgesetzt wird, wird es in unserer Praxis nicht geben. Wir bewerben auch keine Hausarztverträge mehr, überlassen aber unseren Patienten die Entscheidung, ob sie daran teilnehmen wollen oder nicht. Es ist richtig, dass die an der HZV-Hausarztzentrierten Versorgung teilnehmenden Ärzte etwas mehr Geld bekommen ... bezahlt wird dieser Umstand jedoch durch Einschränkung der Ärztlichen Therapiefreiheit. Hauptnutznießer dieser Verträge sind die Initiatoren des Vertragswerkes, die sich über eine 5prozentige Verwaltungsabgabe eine goldene Nase verdienen dürften.

Dass diese Doppelbürokratien, Geld- und Machtspielchen nicht unbedingt der Nachwuchsförderung in unserem Berufsstand dienen, dürfte klar sein und entspricht der derzeitigen Problematik Praxisnachfolger zu bekommen im Besonderen. Um die Schönheit und Wertigkeit des hausärztlichen Berufes wieder mehr ins Zentrum meine Betrachtung zu rücken, habe ich mich entschlossen, ab Herbst 2014 Studenten für das Wahlfach "Allgemeinmedizin" aufzunehmen. Mit dem Schritt, "Lehrpraxis der Universität Ulm" zu werden, verbinde ich die Hoffnung medizinischen Nachwuchs für Laupheim zu begeistern.

Mittlerweile haben die ersten 5 Studenten ihre allgemeinmedizinischen Blockpraktika in unserer Praxis besucht und konnten sich von der Vielfältigkeit hausärztlichen Handelns überzeugen. Die Resonanz der angehenden Mediziner war durchgehend positiv und ich denke, dass das Interesse für dieses Berufsbild durchaus geweckt werden konnte.